Die Basis unserer Arbeit

Konzeption

In unsereren Kursen haben wir es uns zur Aufgabe gemacht jedes Kind dort abzuholen wo es steht. Besonderes wichtig dabei ist es uns, dass jedes Kind sich wohlfühlt, nur ein Kind dass sich sicher und wohl fühlt kann sich optimal entwickeln. So führt die Polarisation der Aufmerksamkeit zu einer entspannten Lernsituation. Dabei ist uns das Lernen mit allen Sinnen und ohne Leistungsdruck besonders wichtig. Durch unterschiedliche Wahrnehmungskanäle findet Lernen statt, Wissen welches fest im Langzeitgedächtnis verankert werden kann. Wir legen sehr großen Wert darauf, kein Kind unter Leistungsdruck zu setzen, sondern durch Wohlbefinden lernen positiv zu verstärken.

Unserer Kursaufbau ist an die Rhythmik des Schweizer Musikpädagogen Émile Jaques-Dalcroze angelehnt. Rhythmik ist eine künstlerisch-pädagogische Arbeitsweise, die Musik, Bewegung und Sprache spielerisch und kreativ verbindet, um die Entwicklung der Persönlichkeit zu unterstützen. (https://bw-rhythmik.jimdo.com/rhythmik ) Durch unterschiedliche Bausteine gehen wir so individuelle auf die Bedürfnisse der einzelnen Gruppen ein. Kinder mit unterschiedlichen Aktivitätslevel brauchen unterschiedliche Bausteine und Angebote. So können einzelne Themenbereiche z. B. über Musik, Kunst, Bewegung, Emotionen und Lerngeschichten etc. unterschiedlich aufgearbeitet werden.

Dabei verbinden wir verschiedene Ansätze aus der Pädagogik wie dem des Situationsansatzes, der Reggiopädagogik, und die der Reformpädagogik von Maria Montessori.

Unser pädagogisches Material besitzt einen hohen Aufforderungscharakter und hohen Spielwert. Viele Materialien wurden von uns selbst entwickelt und speziell auf unseren Sprachunterricht abgestimmt. Die letzten 10 Jahre haben wir unser Kursangebot aufeinander aufbauend gestaltet und so fortlaufend weiterentwickelt. Viele unserer Kinder sind bereits von klein auf bei uns und fühlen sich in ihren Gruppen sehr wohl, konnten dort Freundschaften schließen und emotionale Bindungen aufbauen.

Émile Jaques-Dalcroze vertraute auf die Wechselbeziehung der musikalischen, körperlichen und emotionalen Erfahrung, die seine Arbeitsweise hervorrief. Über vielfältigste Übungen und die Improvisation wirkte sich die Rhythmik auf die musikalisch-künstlerische und die musikinterpretatorische Arbeit durch eine bewegte Darstellung aus. Er stellte fest, dass die Rhythmik eine positive Wirkung in pädagogischen Prozessen und im sozialen Lernfeld zeigte.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Kinder die vor dem Alter von sechs Jahren mit mehreren Sprachen konfrontiert werden, ein sehr gutes Sprachgefühl und -verständinis auch für die Fremdsprache(n) aufbauen können und ihre Sprachfähigkeiten auch in der Muttersprache verbessern. Wenn die Kinder dazu von einem Muttersprachler an die Fremdsprache herangeführt werden lernen sie diese oft akzentfrei.

 

Zusammenhang von Wahrnehmung und Sprache

Das Gehirn steuert unser Denken und Handeln, hat aber keinen direkten Zugang zur Außenwelt. Es empfängt elektrische Signale der Sinnesorgane (Sensorik), die vom Gehirn aufgenommen und verarbeitet werden. Es setzt Bilder, Empfindungen, und Gedanken zusammen und veranlasst den Körper zu einer Reaktion. Es speichert  Erfahrungen in der Form von synaptischen Verbindungen.

Bei der Geburt verfügt ein Baby bereits über Milliarden von Neuronen. Aber es gibt jedoch fast keine synaptische Verbindungen zwischen diesen Neuronen. Lernen geschieht indem Verbindungen zwischen den Neuronen gebildet werden. Insbesondere in der frühen Kindheit entstehen Milliarden von synaptischen Kontakten, wenn neue Erfahrungen an bereits vorhandene Erfahrungen anknüpfen. Jedes Neuron bildet 10.000 – 100.000 synaptische Verbindungen. Es entsteht das sogenannte Neuronale Netz. Je mehr Verbindungen entstehen, desto nachhaltiger ist die Erinnerung. Wiederholungen stärken diese Verbindungen und wirken dem Vergessen entgegen ( wie Trampelpfade / Autobahnen).

Sinneswahrnehmung als Grundlage des Spracherwerbs

Sinneswahrnehmung ist die Grundlage des Spracherwerbs. Wenn ein Kind sprechen lernt, speichert das Gehirn nicht nur ein neues Wort, sondern auch die damit verbundenen Erfahrungen und Emotion. Je vielfältiger die Wahrnehmungserfahrungen, um so stärker die Verankerung im Neuronalen Netz. So verbinden sich Worte mit kognitiven, emotionalen, sozialen und motorischen Fähigkeiten. Kinder lernen Sprache also über das konkrete Tun (Spiele, Bewegung, angenehme Umgebung) besser und nachhaltiger.

Schon Konfuzius schrieb:

Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.

 

Sprach und Gehirnentwicklung

Wissenschaftlich Studien zeigen: Nicht nur Muttersprache sondern auch Zweit- und Fremdsprache sollen im frühen Kindesalter gefördert werden.

Im Kindergartenpädagogik Handbuch ist von Dr. Holger Küls zum Thema „Gehirnforschung, Lernen und Spracherwerb“ u.A. das folgende zu lesen (Textauszüge):

 

Neuere Forschungen haben ergeben, dass sich beim späteren Lernen einer zweiten Sprache in Teilen ein neues neuronales Netzwerk in den Sprachzentren des Gehirns entwickelt. Dies trifft etwa beim Fremdsprachenunterricht in der Schule zu oder wenn ein Mensch als älteres Schulkind oder später in ein anderes Land mit einer anderen Sprache umsiedelt. Interessanterweise sieht das anders aus, wenn ein Kind im frühen Alter zwei Sprachen lernt, also zweisprachig aufwächst. In diesem Fall entsteht ein einziges neuronales Netz für beide Sprachen. In der Computertomografie (CT) werden bei der Nutzung beider Sprachen die gleichen Areale und Bereiche als aktiv angezeigt. Das Kind, das sehr früh mehrere Sprachen erwirbt, lernt dabei jede der Sprachen mühelos und nahezu automatisch.

Wenn ein Mensch hingegen später lernt, dann entwickelt sich für diese zweite Sprache teilweise ein neues Netzwerk. Und das führt dazu, dass das Erlernen dieser zweiten Sprache sehr viel mehr Anstrengung, Mühe und Üben bedeutet und nicht wie bei der ersten Sprache nahezu automatisch und intuitiv durch Nachahmung und fast spielerischem Versuch und Irrtum läuft. Zudem wird auch niemals die Vollkommenheit der ersten Sprache erreicht.

Interessanterweise ist dies noch etwas differenzierter zu sehen. Vor allem im Broca-Areal, das für die Grammatik zuständig ist, ergeben sich für jede deutlich später erworbene Sprache neue neuronale Netze, d.h. gerade im Hinblick auf Grammatik lässt sich durch noch so intensives Lernen nicht der Stand erreichen, den ein „Frühlerner“ erreicht. Etwas Ähnliches gilt für die Aussprache – der fremde Akzent bleibt. Dies erklärt auch, warum Gastarbeiter, die schon 30 Jahre in Deutschland leben, an ihrer Sprache erkannt werden können. Hingegen kann der Wortschatz durch entsprechendes Lernen oder durch längere Aufenthalte in einem Land, in dem die gelernte Sprache gesprochen wird, sich dem eines Einheimischen angleichen.

Die Altersgrenze zwischen Frühlernern und Spätlernern (verschiedene Netzwerke für unterschiedliche Sprachen) liegt etwa bei drei Jahren, wobei das allerdings auf Vermutungen beruht. Es gibt Hinweise, dass es auch sechs Jahre sein können.

Übrigens, wer in früher Kindheit zweisprachig aufgewachsen ist, also nur ein neuronales Netz aufgebaut hat für zwei Sprachen, nutzt dieses Netz auch für den Erwerb einer dritten oder vierten Sprache – das heißt, er erlernt weitere Sprachen ähnlich einfach und intuitiv wie seine beiden Erstsprachen. Das erklärt auch, warum es Sprachvirtuosen gibt, die vier, fünf oder mehr Sprachen problemlos beherrschen.

Interessant ist, dass Mehrsprachigkeit auch den Ausdruck in der Muttersprache verbessert und weitere kognitive Fähigkeiten steigert.

Illustration 1: Entwicklung von Neuronennetzwerken in der frühen Kindheit. Bildnachweis: Seung, 2012